Doppelhalter Punkte

Bei einem unserer letzten Fanclubtreffen kam Domino auf die geniale Idee, einen Doppelhalter zu entwerfen, der Bielefelds restliche Punktzahl anzeigt um den Klassenerhalt zu sichern. Dies sollte vor und nach einem Spiel angezeigt werden und so oft, bis wir die 40 (?) benötigten Punkte zusammen haben. Also beschlossen wir, weißen Stoff zu besorgen, nach einer Vorlage die Wörter

„Nur noch“ und „Punkte“ in schwarzer Abtönfarbe auf den Stoff zu malen, die Ziffern extra auszuschneiden, blau anzumalen, um sie vom Rest abzusetzen und mit Sicherheitsnadeln zu befestigen. So konnten wir jederzeit die entsprechende Punktezahl anzeigen, was problemlos funktionierte. Es schien sehr gut angekommen zu sein, zumindest haben Tv-Sender darauf reagiert und beide Punktestände vom Spiel gegen Nürnberg angezeigt und auch die Reaktion mancher Fans war durchweg positiv.

Die Rückrunde kam ein wenig schleppend in Gang, die ersten Punkte ließen im Jubiläumsjahr auf sich warten, so dass der leicht träumende Blick manchmal vom oberen Tabellendrittel in Richtung Abstiegsränge abzuschweifen drohte. Gerade in dieser Phase träumten auch offizielle Seiten mehr oder weniger unverhohlen von der ein oder anderen Reise in benachbarte europäische Länder, was das leidgeprüfte Arminenherz nur zu gerne mitträumen würde. Doch die schmerzlichen Erfahrungen der Vergangenheit haben die langjährig mit dem Verein Verbundenen die „vorsichtige Euphorie“ gelehrt. Sieben Aufstiege zeigen eindrucksvoll, dass ein Klassenerhalt (und erst recht das Vordringen in einstellige Tabellenregionen der ersten Liga) für Arminia die deutlich schwerere Hürde darstellt, als nach einem Abstieg in die Belletage des deutschen Fußballs zurückzukehren.
Voll und ganz überzeugen konnte der DSC lediglich beim hochklassigen 3:1-Heimsieg gegen den späteren deutschen Meister, welches jedoch von zwei nur mäßig begeisternden Auswärtsspielen bei den abstiegsbedrohten Boxhumern und Mainzern eingerahmt wurde. Seis drum, damit zählte das Punktekonto bereits stolze 29 auf der Haben-Seite. Zwar machten die schlechter platzierten Mannschaften auch weiterhin den Eindruck, als würden sie die 40-Punkte-Hürde eher untergraben als überspringen, doch waren wir uns einig, dass es nicht schaden könnte, daran zu erinnern, dass auch ein Weg nach Europa nur über den sicheren Klassenerhalt führen kann. So feierte unser Doppelhalter gegen Nürnberg Premiere,

und nur 90 Minuten später musste er bereits überarbeitet werden

Angesichts der jüngsten Erfolge legte die Arminen-Fangemeinde mit jedem Punkt ein wenig mehr der Vorsicht ab, gab sich der puren Euphorie in Hinblick auf Pokal- und Saisonfinale hin und träumte mehr oder weniger unverhohlen davon, die so erfolgreiche Mannschaft auf ihren Reisen durch Europa zu begleiten. Währenddessen begannen Teile eben jener Mannschaft ihre eigenen Träume der Presse mitzuteilen, wobei sich immer deutlicher herausstellte, dass Arminia in diesen nicht immer vorzukommen schien. Nahezu jeder Verein, der die Aussicht auf UEFA-Cup, Champions-League oder zumindest den UI-Cup hatte, verbreitete vor den Partien gegen den kleinen Ligakonkurrenten aus Bielefeld in allen möglichen und unmöglichen Medien welche DSC-Kicker sie auf ihren Listen haben, wem sie nur zu gerne für sehr viel Geld internationale Spiele vor tollen Fans anbieten würden. Manchem dieser heiß umworbenen Kandidaten schien die plötzliche Aufmerksamkeit zu schmeicheln, suggerierte es doch, dass man zu Höherem berufen sei. Die harmonische Ruhe der Hinrunde war Vergangenheit, das Geschehen auf dem Platz verschwand im Hintergrund, und von verschiedensten Seiten wurden immer neue Gerüchte über jeden nur erdenklichen Nebenschauplatz in der Presse breitgetreten.
Da war sie wieder, unsere gute, altbekannte Arminia. Mit allen Chancen nach oben (und unten), hoffenden und bangenden Fans, und - angesichts des drohenden Erfolgs? - nervösen Hauptdarstellern ging es ins Gottlieb-Daimler-Stadion, aus dem keine Punkte entführt werden konnten.

Eine deutliche Leistungssteigerung beim Heimspiel gegen den HSV brachte zwar mehr Tore,
doch auch hier blieb der Doppelhalter unverändert.
Mit nach wie vor 32 Punkten fuhren wir frohen Mutes nach Berlin – und wieder zurück. Hier demonstrierten die mitgereisten Arminen erneut, wie man auch ohne Zählbares wunderbar ausgelassen feiern kann.

Es folgte Leverkusen vor – und nach 90 Minuten. Nur noch 5 Punkte, bei noch 7 ausstehenden Spielen! … sollte doch noch mehr möglich sein..?

 

Gegen Lautern? – Nicht.
Doch schon in Dortmund konnte der Countdown weitergehen,

am darauffolgenden Wochenende wurde Freiburgs Abstieg auf der Alm auch rechnerisch besiegelt, und der eine fehlende Zähler aus den kommenden 4 Spielen schien Formsache zu sein.

Das undurchsichtige Geflecht, wer wohin möchte, geht oder gerne gehen würde haben immer mehr reichlich satt, auch wenn der ein oder andere bereits bekannt gegeben hat, wo er im kommenden Jahr spielen wird. Endlich wird auch offiziell gefordert, dass dieses öffentliche Kokettieren mit anderen Vereinen ein Ende haben soll, da erscheint nahezu zeitgleich ein Interview des psychologisch so beschlagenen Trainers, in dem er seine Träume mit dem frischgebackenen Aufsteiger vom Rhein auch der Allgemeinheit zugänglich macht. Kleine Seitenhiebe in Richtung des noch-Arbeitgebers inklusive.

Motivationsfördernd war dies scheinbar nicht,
die Reise nach Bremen brachte ein klares 3:0. Ironischer weise bestand trotzdem Grund zur Freude: Nach diesem Spiel war ein Abstieg auch rechnerisch unmöglich geworden, zudem stand das Jubiläumsspiel an, und diese Party wollte sich nun wirklich niemand vom dämlichen Rumgeeier (gleichwertig?) ersetzbarer Angestellter verderben lassen. WIR FANS sind es, die sich fast bedingungslos mit diesem Verein identifizieren, WIR FANS erfüllen das Stadion erst mit Leben, WIR FANS haben unser Herz an die einmalige Arminia aus Bielefeld verloren und dies ist die Woche, in der UNSERE Arminia ihr 100jähriges Jubiläum mit uns feiern möchte. Da können Punkte Punkte sein, Schalke gewinnen oder Trainer und Spieler mal wieder wechseln – völlig egal! In dieser Woche steht allein die unverwechselbare Leidenschaft, die Arminia mit ihren Anhängern und manchen ihrer Angestellten verbindet, im Vordergrund. This is the time to party!!

Zum letzten Auswärtsspiel ging es dann mit neuem Trainer, Co Geideck übernahm für die letzten beiden Spiele, und Rostock beschenkte ihn mit dem letzten noch fehlenden Punkt, wenngleich dies für die letzte Ostmannschaft im Oberhaus den endgültig sicheren Abstieg bedeutete. Leider konnten wir allen Beteiligten nicht gleich vor Ort für das Erreichen der „magischen 40“ auch optisch danken, da die bekanntermaßen hohen Sicherheitsvorkehrungen im Ostseestadion das Mitbringen der hierfür nötigen Utensilien verbaten. Als Entschädigung gab es nach dem Abpfiff Freibier – war auch ok.

So blieb schließlich das letzte Saisonspiel gegen Wolfsburg, um sich gebührend bei allen, die dem „Absteiger Nummer eins“ zu Tabellenplatz 13 verhalfen, gebührend zu bedanken.
Mit den heutigen Bedingungen im bezahlten Fußball muss man sich wohl oder übel abfinden. Die wenigsten derer, denen wir heute noch zujubeln, werden auch in 20 Jahren noch im Herzen mit Arminia verbunden und regelmäßig auf der Alm zu sehen sein. Der Einfluss von Geld und Globalisierung machen auch vor „unserer“ Arminia nicht halt. Weshalb sollte ein Ghanaer, der dem Lockruf des Geldes mehrere hundert Kilometer gefolgt ist, sein Herz statt seinem Heimatclub nun Arminia schenken, und hier allen lukrativeren Angeboten widersagen? Auch wenn sich die Illusion, dass alle Spieler den Verein im Verlauf der Saison ebenso lieben lernen, wie wir es tun, alljährlich zu Beginn der Transferphase zerschlägt, es gibt sie, die rühmlichen Ausnahmen – bestimmt! Und auch, wenn die Helden der Saison nicht noch 20 Jahren später wie Kitty Hellweg Spieltag für Spieltag zur Alm pilgern: in diesem Jahr haben sie uns eine tolle Hinrunde, packende Spiele in der Rückrunde, den DFB-Pokal bis ins Halbfinale und obendrauf ein weiteres Jahr 1. Liga geschenkt, und hierfür möchten wir uns bei ALLEN! Beteiligten bedanken.
Angefangen bei Matze, Dammi, Rübe, Petr, Marcio über Ervin, Marco, Delron, Fatmir bis hin zu Dennis, Owo, Claudiu und Renato. Wir sagen ALLEN:

 

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